KenFM im Gespräch mit: Prof. Rainer Mausfeld (1:51:57)

Das Wesen des Neoliberalismus

Abstract

Prof. Dr. Rainer Mausfeld ist quasi über Nacht durch einen Mitschnitt einer seiner Studenten berühmt geworden. Sein Vortrag „Warum schweigen die Lämmer?“ wurde Mitte 2015 gehalten und veröffentlicht und innerhalb eines Jahres ca. 400.000 Mal (!) angesehen. Später wurde ein weiterer Vortrag mit dem Titel „Der Neoliberalismus und das Ende der Demokratie“ veröffentlicht, der sich allerdings noch nicht so weit verbreitet hat.

Im Interview mit Ken Jebsen werden viele Punkte der beiden Vorträge angesprochen, allerdings im Vergleich zu den o. g. Vorträgen nur recht oberflächlich, daher sollte man aus meiner Sicht alle drei Videos ansehen oder hören.

Es geht im Wesentlichen um die Punkte:

  • Meinungs- und Empörungsmanagement durch Politik und Medien bzw. die Eliten
  • das Wesen des Neoliberalismus und seine Unvereinbarkeit mit Demokratie

 

Beschreibung

Das Wesen des Neoliberalismus

Der Neoliberalismus als Extremform des Kapitalismus ist so gefährlich, weil es gelingt, ihn weitgehend unsichtbar zu machen. „Der Neoliberalismus hat die Idee des Unsichtbarmachens von Macht perfektioniert.“

Neoliberale Vertreter würden behaupten, dass der Neoliberalismus nicht existiert und ein reiner Kampfbegriff der Linken sei.

Er entstand aus mehreren unterschiedlichen Richtungen, die miteinander einte, dass sie eine Gegenbewegung zum New Deal oder der sozialen Marktwirtschaft waren.

Friedrich August von Hayek hat die Verbreitung über 20 Jahre lang geplant. Er wusste, dass er mit einem so inkohärenten Wirschaftsmodell nicht an die Öffentichkeit treten konnte, solange er nicht die Deutungshoheit in den Medien und bei den Intellektuellen hatte.

Der Neoliberalismus behauptet, keine Ideologie oder ökonomische Theorie zu sein, sondern die pure Rationalität, weil dem Markt eine Naturgesetzlichkeit unterstellt wird, der man sich nur beugen kann.

Eine weitere Idee ist die Vernebelung von Verantwortlichkeiten (nach dem CIA-Prinzip der „plausible deniabiliy“). Der anonyme Markt ist gewissermaßen verantwortlich.

 

Der Mensch

Der Mensch hat ein außergewöhnlich großes Spektrum an positiven und negativen Eigenschaften, wobei im Neoliberalismus vor allem auf die negativen Seiten gezielt wird.

Die Menschen sind aber auch „Status-Quo-Bewahrer“, was durch affektive Faktoren, wie Angst und Aussichtslosigkeit noch verstärkt wird.

Große Think-Tanks beschäftigen sich damit, wie man dieses Gefühl der Lethargie weiter fördern kann.

Der Neoliberalismus sieht den Menschen als flexibles konditionierbares Bündel von Teilfähigkeiten. Diese Sichtweise findet sich auch Behaviourismus. Allerdings zeigt die Kognitionsforschung, dass der Mensch schon von Natur aus eine bestimmte Grundmoral besitzt und eine Grundvorstellung von Gut und Böse sowie Zwang und Freiheit besteht.

Der Mensch ist lethargisch, weil er mit Informationen überflutet wird und außerdem seine Empörung in Richtungen gelenkt wird, in der sie schnell verdampft.

Der Mensch ist außerdem mit seinem Mikrokosmos beschäftigt. Nachrichten werden daraufhin gescannt, ob er unmittelbar betroffen ist.

 

Die Eliten

Die Eliten erkannten sehr früh, dass allein das Wort „Demokratie“ Opium fürs Volk ist und dass repräsentative Demokratie eine Form ist, um echte Demokratie zu verhindern. Die Idee hierbei war, dass die Repräsentanten ebenfalls aus der Elite stammen.
Sie sind der Meinung, dass Demokratie (also das Wohl des Volkes) beim Volk nicht gut aufgehoben ist.
Während die Eliten sich vor einiger Zeit noch gegenseitig Konkurrenz machten, sind sie inzwischen zu einer Art Monokultur geworden und sind sich in ihrem Ziel sehr einig. Das macht sie auch so übermächtig.

 

Meinungs-/Empörungsmanagement

Um die tatsächlichen Ziele zu verbergen und aufkommende Freiheitbewegungen im Ansatz zersetzen zu können, bedarf es der Meinungsmanipulation.
Laswell: „Meinungsmanagement ist billiger als Gewalt, billiger als Bestechung oder irgendeine andere Kontrolltechnik.“
Thatcher: Ökonomie ist nur die Methode, aber es geht um den Kampf um Herz und Hirn.

 

Bewertung

Ich habe bisher noch nicht gehört, dass jemand die gewollte und gezielte Manipulation der Massen durch Politik und Medien in dieser Klarheit ausspricht. Herr Mausfeld wirkt äußerst seriös und souverän und damit auch glaubwürdig.

Sein großer Trick dabei ist, dass er nicht die Globalisierungsgegner, sondern die Eliten selbst zitiert, von denen man meinen könnte, dass sie ihre wahren Absichten möglichst verstecken.

Einige Thesen gehen dann aber doch etwas zu weit, zumindest fehlt hier die Quelle (was in einem Interview aber auch nicht zwangsläufig zu erwarten ist). Als Beispiel sei nur die Aussage genannt, dass die Medien u. A. den Zweck haben, die deutsche Politik auf US-Bahnen zu halten und zu kontrollieren.

Dennoch ist mir durch dieses Interview sehr viel klarer geworden, dass der Neoliberalismus viel überwältigender ist und mehr umfasst, als ich bisher gedacht hatte.

Nach über einem Jahr, in dem ich mich mit diversen Fehlentwicklungen in Wirtschaft, Politik, Gesellschaft etc. beschäftigt habe, verdichteten sich in jüngster Zeit die Hinweise darauf, dass im Neoliberalismus die Wurzel vieler Übel zu finden ist.

Das Interview sowie seine beiden Vorträge plus Diskussion untermauern dies in eindrucksvoller Art und Weise, was 5 Sterne einbringt.

 

Es ist Zeit aktiv zu werden, was Herr Mausfeld ebenfalls sagt:
Wir müssen sofort handeln.
„… die Bewegungen müssen auf das Zentrum der Macht zielen.“
„Wir können mit Sicherheit vorhersagen, in dem Moment an dem es an die Zentren der Macht geht, wird es ausgesprochen ungemütlich.“
„Die Eliten werden sich nicht ergeben.“

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