Medien-Mainstream, Meinungs- und Pressefreiheit

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Die Unzufriedenheit mit unseren Medien wächst offenbar. Wie sonst kommt es zu neuen Begriffen wie „Lügenpresse“ oder „Lückenpresse“? Die Abwanderung der Leserschaft von den Printmedien lässt sich nicht nur mit dem Internet erklären. Wo liegen die Ursachen und wie weit ist es her mit unserer Meinungs- und Pressefreiheit? …

Vorwort

Auch mit diesem Artikel stehe ich wieder grundsätzlich vor einem Problem: Für diejenigen, die sich bereits selbst aktiv im Internet informieren und wissen, was mit Medien-Mainstream gemeint ist, wird der Beitrag allenfalls ein paar neue Details zu Tage fördern.

Für alle, die seit mehreren Jahrzehnten unsere Leitmedien (Tagesschau, Tagesthemen, Heute, Heute-Journal, Der Spiegel, Die Welt, Focus, Stern, Bild, Frankfurter Allgemeine, Die Zeit, Regionalpresse, …) konsumieren, wird Einiges womöglich absurd erscheinen und abschreckend wirken. Für letztere Gruppe daher die Empfehlung, gedanklich einfach mal zu überprüfen, ob das Geschilderte möglich sein könnte und in sich selbst reinzuhören, welche Abwehrreaktionen beim Lesen hervorgerufen werden und warum.
Außerdem zwei Linkempfehlungen als Einstieg für die 2. Gruppe:

  1. Experiment: Ich ziehe in die Filterbubble (9:50 Min.)
    Hier verzichtet eine junge Frau für 1 Woche komplett auf die bisher vertrauten Leitmedien, guckt sich in den Alternativmedien um und spricht bewusst mit Leuten, die anderer Meinung als sie selbst sind.

  2. Mein Weg aus der MATRIX – Danke, Dr. Daniele Ganser! (53:57 Min.)
    Etwas reißerischer Titel, aber „Cyberphilosoph“ beschreibt in diesem Video, über welche Wege er zu den Alternativmedien gekommen ist und welche spannenden Erkenntnisse er dort gewonnen hat.

Beim Schreiben des Artikels habe ich festgestellt, dass das Thema so umfassend ist, dass der Artikel jetzt schon überfrachtet ist und trotzdem noch längst nicht alle Aspekte berücksichtigt. Es folgt daher vermutlich noch ein Teil 2.

 

Medien-Mainstream?

Der Begriff

Es geht in diesem Artikel um den Medien-Mainstream bzw. die Presse- und Meinungsfreiheit, mit der es aus meiner Sicht bei weitem nicht so weit her ist, wie uns häufig suggeriert wird (auch wenn in Deutschland natürlich weitaus bessere Verhältnisse vorherrschen, als in manch anderem Land). Dem Begriff Medien-Mainstream (oft wird von Mainstream-Medien oder Leitmedien gesprochen) bin ich das erste Mal im Buch „Lückenpresse“ von Ulrich Teusch begegnet. Der Begriff soll beschreiben, dass es in den Medien ein gängiges Narrativ (Erzählung/Geschichte) über bestimmte Themen gibt, was jedoch im Unterschied zum Begriff „Mainstream-Medien“ nicht bedeutet, dass keinerlei kritische oder vom Narrativ abweichende Berichte in den Leitmedien gibt. Auch ziehe ich den Begriff Lückenpresse dem der Lügenpresse vor, weil letzterer alle Journalisten unzulässiger Weise unter Generalverdacht stellt.

Die Lücken in den Medien dagegen sind offensichtlich und allgegenwärtig, wie inzwischen sogar Spitzenpolitiker wie Frank Walter Steinmeier feststellen müssen:

„Reicht die Vielfalt in Deutschland aus? Wenn ich morgens manchmal durch den Pressespiegel meines Hauses blättere, habe ich das Gefühl: Der Meinungskorridor war schon mal breiter. Es gibt eine erstaunliche Homogenität in deutschen Redaktionen, wenn sie Informationen gewichten und einordnen. Der Konformitätsdruck in den Köpfen der Journalisten scheint mir ziemlich hoch.“

Ich werde versuchen, das Thema zunächst aus meiner Sicht und meinen Erfahrungen heraus auszuarbeiten. Es gibt jedoch auch viele sehr gute Bücher (z. B. „Lückenpresse“ von Ulrich Teusch s. o., „Meinungsmacht – Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-­Journalisten – eine kritische Netzwerkanalyse“ von Uwe Krüger) und Youtube-Vorträge (z. B. Krieg der Medien – Medien im Krieg – Prof. Dr. Jörg Becker) zu dem Thema, die später in diesem Blog folgen werden.

Was ist Medien-Mainstream?

Etwas Ironie und Sarkasmus kann ich mir hier nicht ganz verkneifen.

Thematisch gesehen ist der Medien-Mainstream im Wirtschaftsbereich durch die neoliberale Wirtschaftsideologie geprägt:

  1. Der freie Markt (die „unsichtbare Hand“) regelt alles von selbst – der Staat darf sich nicht einmischen
  2. Den Deutschen geht es so gut, wie nie zuvor
  3. Die soziale Marktwirtschaft hat sich gegen Kommunismus und Sozialismus durchgesetzt und ist das beste System, das es gibt. Es gibt keine Alternative
  4. Wenn ein Staat verschuldet ist, muss er sparen
  5. Griechenland ist selbst Schuld an der jetzigen Lage, weil der Verwaltungsapparat zu aufgebläht ist, die Griechen zu faul sind und sie zu viele Feiertage haben
  6. Der Staat darf nicht mehr ausgeben als er einnimmt (schwäbische Hausfrau, Schäubles schwarze Null)
  7. Es ist toll und völlig unproblematisch, dass wir Exportweltmeister sind. Das liegt außerdem an unseren tollen Produkten und unserer überragenden Qualität
  8. Der Arbeitsmarkt ist ein Markt: Wenn es Arbeitslose gibt, liegt es an zu hohen Löhnen und Lohnnebenkosten
  9. Wenn man den Unternehmen nur ordentlich Kredite gibt und die Gewinne hoch genug sind, dann fangen sie schon irgendwann an, zu investieren und die Wirtschaft anzukurbeln
  10. Trickle-Down-Effekt: Wenn die Gewinne der Unternehmen nur hoch genug sind, dann kommt irgendwann auch etwas davon bei den Arbeitnehmern an. Deswegen muss man die Unternehmen steuerlich entlasten.
  11. Der Mindestlohn ist eine Katastrophe: Millionen von Arbeitslosen werden entstehen.
  12. Es droht ein enorme demographische Katastrophe: die gesetzliche Rentenversicherung kann das nicht stemmen
  13. Privatisierung über alles: die Privaten machen alles viel effizienter als der bürokratische Staat
  14. Hartz IV-Empfänger wollen nicht arbeiten, also muss man sie zwingen
  15. Die rot-grünen Steuerreformen und die Agenda 2010 waren ein Riesenerfolg. Seht nur wie gut Deutschland im Vergleich zu allen anderen jetzt dasteht

Im Bereich Außenpolitik gibt es im Medien-Mainstream eine starke Ausrichtung an den USA, der NATO und der Rüstungslobby:

  1. Natürlich wollen wir keinen Krieg, aber wir müssen manchmal militärisch intervenieren, um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern. Die Zivilbevölkerung muss vor Diktatoren wie Assad, Ghaddafi, Hussein beschützt werden
  2. Den Krieg gegen den Terror kann man nur mit Null-Toleranz und militärischer Intervention führen
  3. Wenn wir alle Terroristen getötet haben, herrscht Frieden auf der Welt
  4. Wir bringen der Welt Demokratie, Frieden und Wohlstand
  5. Im Islamischen Staat zeigt sich das wahre Gesicht des Islams
  6. Wir dürfen keine Israelkritik äußern, da wir auf Grund unserer Geschichte eine besondere Verantwortung gegenüber dem jüdischen Volk haben
  7. Wir exportieren Waffen nur in sichere Staaten, in denen kein Krieg herrscht. Wenn wir keine Waffen exportieren, gehen Arbeitsplätze verloren und wir sind für den Fall der Fälle technologisch nicht auf der Höhe der Zeit. Wenn wir die Waffen nicht exportieren, tut es ein anderes Land
  8. Russland bzw. Putin, der Iran und der IS sind die größte Gefahr für die Welt
  9. Der Ukrainekonflikt begann mit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim durch Putin, welche ein „beispielloser Akt der Aggression“ (John Kerry) war
  10. Der Raketenabwehrschirm dient ausschließlich der Verteidigung gegen den Iran
  11. Ob die Exekutionen von Menschen (ohne Anklage, ohne Gerichtsverhandlung und ohne Beweise der Schuld in souveränen Staaten) durch Drohnen in Pakistan, im Irak, in Afghanistan völkerrechtswidrig sind, müsste man im Einzelfall mal prüfen. Die USA sagen, dass die Angriffe durch das Völkerrecht gedeckt sind und wir haben keinen Grund daran zu zweifeln.
  12. Die Anschläge vom 11. September sind vollständig aufgeklärt. Jeder, der die offizielle Darstellung in Frage stellt, hat zu viele Krimis gesehen und ist ein Verschwörungstheoretiker

Im Bereich Innenpolitik:

  1. Wir brauchen mehr Videoüberwachung, wir müssen Zugriff auf alle Daten aller Bürger haben, sonst können wir die Bevölkerung nicht vor Terroranschlägen beschützen
  2. Wir benötigen für Extremfälle Unterstützung der Polizei durch die Bundeswehr
  3. Die repräsentative Demokratie hat sich überall als das beste System herausgestellt.
  4. Direktdemokratie kann man der Bevölkerung nicht zutrauen, da Politik unheimlich komplex ist. Man sieht ja, was beim BREXIT-Referendum herausgekommen ist
  5. Fake-News und Hasskommentare sind eine Gefahr für die Demokratie. Wir benötigen Mechanismen, um diese zu bekämpfen
  6. Russische Hacker drohen im Auftrag Putins, die Bundestagswahl 2017 zu sabotieren. Wir müssen dieser hybriden Kriegsführung aus Moskau etwas entgegensetzen (falls bei der Wahl keine große Koalition herauskommt, war das das Ergebnis der Cyberangriffe Russlands).

Ich könnte diese Listen fast endlos fortsetzen.

Gegenmaßnahmen

Das Internet bietet aktuell die fast einmalige Gelegenheit für die breite Masse, sich aktiv und unabhängig zu informieren und ich habe mich schon gefragt, wie lange das so bleiben wird. Es merken immer mehr Leute, dass die Informationen in den Leitmedien zu bestimmten Themen sehr einseitig sind und dass bestimmte Themen dort gar nicht auftauchen. Nicht umsonst werden die Begriffe „Lügen-„ oder „Lückenpresse“ immer häufiger verwendet.

Als Gegenoffensive zu den alternativen Medien und kritischen Menschen wird mit den Begriffen „postfaktisch“, „Fake-News“ oder „Hasskommentar“ gearbeitet. Des Weiteren werden Hackerangriffe zur Wahlmanipulation unterstellt und die Angst vor Manipulationen der Bundestagswahl 2017 geschürt. Bei dem Kampf der Leitmedien gegen die Alternativmedien spricht man auch vom Kampf um die Deutungshoheit. Für mich ist offensichtlich, dass die jüngst aufgekommenen Fake-News kein neues Problem darstellen (früher nannte man das Zeitungsenten). Sie sind stattdessen evtl. ein Versuch, das gängige Narrativ zu verteidigen und zu verhindern, dass noch mehr Leser der Printmedien ins Internet abwandern.

Es wird außerdem versucht, bestimmte Meinungen und Sichtweisen mit Diffamierungen (s. u.) wie „Antisemit“, „(Rechts-/Links-)Populist“, „Nazi“, „Putin-Versteher“, „Antiamerikaner“, „Nationalist“ und vor allem „Verschwörungstheoretiker“ im Keim zu ersticken. Dabei wird oft viel Energie darauf verwendet, Kritiker in bestimmte Schubladen zu stecken, wobei aber die inhaltliche Auseinandersetzung fast immer auf der Strecke bleibt.

Das alles ist schlimm genug, wäre jedoch verkraftbar, wenn nicht in jüngster Zeit tatsächlich Anstrengungen unternommen würden, soziale Medien zu zensieren und sogenannte Falschmeldungen gesetzlich zu verbieten. Ein entsprechendes Gesetz wurde trotz massivster Kritik gerade vom Bundestag verabschiedet: Bundestag beschließt Netzwerkdurchsetzungsgesetz. In diesem wird Betreibern von Internetportalen mit mehr als 2 Millionen Anwendern unter Androhung einer Strafe von bis zu 50 Millionen Euro auferlegt, selbst rechtswidrige Inhalte innerhalb eines Tages zu löschen. Da das z. B. bei Facebook sicherlich nur maschinell erfolgen kann, besteht eine hohe Gefahr, dass im Zweifel eher zu viel als zu wenig aussortiert wird.

Lange Zeit war ich fest der Meinung, dass zumindest unsere öffentlich rechtlichen Medien weitgehend neutral und objektiv sind, und ich war zunächst auch nicht bereit, diese Einstellung zu hinterfragen. Leider musste ich feststellen, dass dies nicht der Fall ist. Der Schlüssel zu dieser Erkenntnis waren für mich die Alternativmedien.

 

Alternativmedien

Was sind Alternativmedien?

Durch Nutzung von alternativen Quellen erschloss sich mir eine Art Parallelwelt, in der häufig tatsächlich das Gegenteil von dem berichtet wird, was sich in den Leitmedien findet. Alternativmedien beschäftigen sich auch oft damit, die Darstellungen und die Sprache der Leitmedien zu analysieren und auf Missstände hinzuweisen.

Fakt ist für mich inzwischen: Das mögliche Meinungsspektrum wird durch die Leitmedien allein nicht abgedeckt. Auch Talkshows sind oft einseitig und verzerrend (nicht-repräsentative Studie hier) und präsentieren nicht das volle Meinungsspektrum. Natürlich findet sich hier genauso viel Unsinn wie in den sonstigen Leitmedien. Das entscheidende ist aber, dass hier sehr brisante Dinge aufgedeckt werden, die in den Leitmedien praktisch nicht erwähnt werden.

Widerspruch?

Es werden einige als Widerspruch ansehen, dass ich selbst in meinem Blog oft Leitmedien zitiere. Um diesen Widerspruch aufzulösen: Natürlich gibt es auch viele gute Berichte, Artikel und Reportagen in den Leitmedien. Allerdings werden kritische Reportagen häufig zu nachtschlafender Zeit gesendet und kritische Artikel auf Seite 52 versteckt, während das gängige Narrativ in Schriftgröße 128 von den Titelcovern prangt (Z. B. Spiegel-Cover „Der Brandstifter – Wer stoppt Putin?“ und „Stoppt Putin jetzt“ und „Der Halbstarke – Wie Putin die Demokratie und den Westen attackiert“ und „Russlands Weltmachtspiele – Putin greift an“ (Coverfoto bei spiegel.de offensichtlich mittlerweile entfernt). Anderes Beispiel bei Bild.de: „Putin attackiert Türkei“ (nachdem die Türkei einen russischen Kampfjet abgeschossen hat)).

In der Regel werde ich im Zweifel auch eher Leitmedienartikel als Referenz angeben, weil Alternativmedien von vielen (noch) nicht als Quelle akzeptiert werden.

Die Wahrheit liegt immer in der Mitte

Wer mangels Expertise auf das Prinzip der „Wahrheit in der Mitte“ angewiesen ist, kommt bei unvollständiger Abdeckung des Meinungsspektrums zwangsläufig zu einem anderen Bild, als bei vollständiger Abdeckung. Es geht vor allem um die Häufigkeit, mit der Informationen verbreitet werden. Psychologisch ist erwiesen, dass der subjektive Wahrheitsgehalt einer Information mit häufiger Wiederholung steigt, und zwar selbst dann, wenn den Probanden vorher mitgeteilt wurde, dass es sich um eine falsche Information handelt.

 

Abb 1: Abdeckung des möglichen Meinungsspektrums. Wer sich auf die Leitmedien verlässt, kommt auf „Wahrheit 1“, die aber nicht wirklich in der Mitte liegt. In diesem Bild wurde bewusst auf eine Rechts-Links-Einordnung der Medien verzichtet!

 

DIE Wahrheit gibt es natürlich nicht, aber man kann sehr wohl messen, inwiefern journalistische Artikel ausgewogen sind und unterschiedliche Sichtweisen repräsentieren (hier am Beispiel Kriegspropaganda, wobei ich darauf hinweisen muss, dass es auf der Webseite kein ordentliches Impressum gibt und daher die Urheberschaft fraglich ist. Dennoch erklärt die Studie z. B. das Ponsonby-Morelli-Modell über welches Objektivität/Ausgewogenheit gemessen werden kann. Eine weitere linguistische Analyse von Mirjam Zwingli ist ebenfalls sehr aufschlussreich. Die tendenziöse Berichterstattung über Putin und Obama wird hier in Süddeutscher Zeitung und FAZ nachgewiesen, und zwar an Hand des Themas Raketenabwehrschirm).

Wenn nicht einmal darauf hingewiesen wird, dass es andere Sichtweisen gibt, ist das im einfachsten Falle tendenziöse Berichterstattung.

Bzgl. der Berichterstattung von Kriegen und Konflikten gehe ich noch einen Schritt weiter und sage, dass auch und vor allem die westlichen Leitmedien massive Propaganda betreiben.

Allgemein ist auch festzustellen, dass linke Sichtweisen immer weniger im Medien-Mainstream vertreten sind und ehemals linke Zeitungen immer weiter nach rechts gerückt sind. Daher zähle ich „wirklich“ linke Zeitungen, Blogs und Fernsehberichte inzwischen auch schon zu den Alternativmedien. [Anm.: Ich beteilige mich äußerst ungern an der Rechts-, Links-, Oben-, Unten-Debatte, denn auf das Einsortieren von Menschen, Meinungen und Medien wird in jüngster Zeit viel mehr Energie aufgewendet, als sich mit den eigentlichen Inhalten zu beschäftigen. Zur Rechts-/Links-Debatte folgt unweigerlich ein separater Blogbeitrag].

Um es ein wenig auf die Spitze zu treiben: Wirklich kritischen Journalismus findet man inzwischen fast nur noch im Kabarett wie „Die Anstalt“ (ZDF) oder dem Programm „Bis neulich“ von Volker Pispers oder bei Whistleblowern und Leak-Portalen.

Das Wording der Leitmedien

Die Einseitigkeit des Medien-Mainstreams drückt sich oft darin aus, dass dem Publikum „Einordnungshilfen“ durch entsprechendes Wording gegeben werden.

So ist klar, dass die Bevölkerung unter einem Autokraten, Machthaber, Despoten oder Diktator Höllenqualen erleiden muss und dass das Staatoberhaupt aus rein humanitären Gründen notfalls auch mit militärischer Gewalt entfernt werden muss. Nicht so dagegen bei einem Präsidenten.

Die „radikal-islamische Hamas“ kann ja eigentlich nur aus Terroristen bestehen, genauso wie die „Terrororganisation Hisbollah“. Was kennzeichnet „radikal-islamische“ Gruppen?

Wann sind Individuen oder Gruppierungen Freiheitskämpfer, (moderate) Rebellen oder Terroristen (irakische Kurden sind z. B. für die Türkei Terroristen, während dieselben von den Amerikanern als Rebellen gesehen werden)?

Bezeichnet sich die „rechts-populistische AFD“ selbst als rechts-populistisch? Ist das eine allgemein anerkannte Tatsache oder ist das strittig? Wie ist der Begriff rechts-populistisch überhaupt definiert?

Wo kommt der Begriff „pro-russische Separatisten“ her? Sehr schnell gab es hier eine Einigkeit aller Medien, dass man die Gegner der Kiewer Putsch-Regierug nur so und nicht anders bezeichnen muss.

Es sind aus meiner Sicht genau diese „Denkhilfen“, die viele Menschen nicht haben wollen. Mittels dieser Sprachregelungen werden im Weiteren auch Tabuzonen errichtet. Die Frage, ob die Hamas tatsächlich durchweg „radikal-islamisch“ ist, wird so gar nicht mehr gestellt. Was ist das Anligen der Hamas? Was tut die Hamas für die Plästinenser? Ein Diskurs darüber, wie die Bevölkerung die Hamas sieht, die ja immerhin demokratisch von den Palästinensern gewählt wurde, findet kaum statt.

Vor kurzem erschien ein Artikel in Telepolis zu den „vertraulichen Sprachregelungen der ARD“, aus dem ich das Beispiel der „rechts-populisten AFD“ entnommen habe. Dieser Artikel ist äußerst aufschlussreich und gibt einen tieferen Einblick in das Wording der Leitmedien.

Ursachenforschung

Vorwürfe, dass Medien gleichgeschaltet (diesen Begriff darf man wegen der nationalsozialistischen Vorbelastung eigentlich nicht verwenden) seien, lügen oder Informationen weglassen, werden oft pauschal ins Reich der Verschwörungstheorien verbannt. Denn in der Tat ist es kaum vorstellbar, dass alle großen Medien sich gegen das Volk verschworen haben und gleichartig berichten oder gar zentral gelenkt werden.

Dennoch ist es nachweislich in den o. g. Themengebieten so und aus meiner Sicht lässt sich das nur durch ein ganzes Bündel von verschiedenen subtileren Wirkmechanismen erklären, die sich z. T. gegenseitig bedingen und die im Folgenden kurz dargestellt werden sollen:

  1. Hierarchische Organisation
  2. politischer Einfluss
  3. Kostendruck
  4. Unterwanderung/Einflussnahme
  5. Besitzverhältnisse
  6. Vernetzung

 

1 Hierarchische Organisation

Medienhäuser sind wie die meisten Unternehmen oder auch andere Institutionen hierarchisch strukturiert: Es gibt Chefredakteure, Redakteure, Journalisten, Volontäre usw. und über den Chefredakteuren gibt es z. B. eine Geschäftsleitung. Wenn vor allem Chefredakteure oder Redakteure heute den Vorwurf der (bewussten) Konformität oder Beeinflussbarkeit entschieden zurückweisen, haben sie vermutlich Recht, wobei die Betonung auf „bewussten“ liegt.

Denn die simple Frage dazu lautet, ob heute nicht genau die Leute in den höheren Positionen sitzen, die von der Gesinnung her schon vorher der Linie der Zeitung oder des Senders entsprochen haben. In diesem Fall unterliegt ihre journalistische Tätigkeit ihrer eigenen Wahrnehmung nach tatsächlich keinerlei Einschränkung.

 

2 Politischer Einfluss

Gerade an der Affäre um Nikolaus Brender (ehem. ZDF-Chefredakteur von 2000 – 2010), dessen Vertrag auf massiven Druck des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch nicht verlängert wurde, wird deutlich, dass auch die öffentlich rechtlichen Medien offenbar nicht ganz unabhängig von der Politik agieren können. Nikolaus Brender gilt als Vorbild für unabhängigen Journalismus, welchen er auch von seinen Mitarbeitern immer wieder eingefordert hat. Er hat sich stets gegen Einflussnahme von außen gewehrt und seinen Mitarbeitern dahingehend den Rücken gestärkt.

Die Kontrolle der Sender scheint eine Fehlkonstruktion zu sein, denn Politiker, die durch unabhängige Medien ggf. kritisiert werden sollen, saßen und sitzen z. B. im Verwaltungsrat des ZDF (Der Fall Brender und die Konsequenzen – Politische Einflussnahme beim ZDF).

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, dass den Anteil von Staat und Parteien im Fernsehrat auf max. 33% bis Mitte 2015 festlegte, brachte hier aus meiner Sicht noch keinerlei Entschärfung.

 

3 Kostendruck

Die Leser der großen Zeitungen schwinden zunehmend. Die Leserzahlen von Spiegel und Bild sind vom 1. Quartal 2015 auf das 1. Quartal 2016 um ca. 10% eingebrochen. Immer mehr Menschen informieren sich über das Internet. Während noch ca. 29% der über 50-jährigen eine Tageszeitung lesen, beträgt der Anteil bei den 14- bis 29-jährigen nur noch ca. 10% (s. S. 7 in https://www.blm.de/files/pdf1/alm_vielfaltsmonitor_1-halbjahr-2016-1.pdf).

Besonders seit der als sehr einseitig empfundenen Berichterstattung über den Regierungssturz in der Ukraine 2014, wenden sich mehr und mehr Leser dem Internet zu. Ein Vergleich des MedienVielfaltsMonitors von 2013 mit dem bereits o. a. von 2016 zeigt eine Steigerung des Meinungsbildungsgewichts für das Internet von 17% auf 22,3% während das Gewicht von Tageszeitungen und Fernsehen entsprechend zurückgegangen ist.

All dies führt zu einem wachsenden Kostendruck, dessen Folge z. T. Entlassungen von Mitarbeitern und eine wachsende Beschäftigung von freien Journalisten ist. Diese Entwicklung schlägt sich auch in der Bezahlung von Journalisten nieder und in dem Druck, mehr Artikel in kürzerer Zeit anzubieten. Unter diesen Bedingungen wird es immer schwieriger, eine umfassende Recherche zu betreiben. Gerade freie Journalisten haben dabei wenig oder gar keine Einsicht in die Redaktionen und erfahren bei Nichtveröffentlichung ihrer Artikel oft nicht einmal den Grund.

Überhaupt scheint die Selbstzensur der Journalisten eine weitere wesentliche Ursache für die Einseitigkeit der Berichterstattung in bestimmten Punkten zu sein. Dadurch dass Journalisten immer weniger verdienen, wagen es nur wenige, in einer Weise über Themen zu berichten, die den Interessen des Auftraggebers oder der „Blattlinie“ entgegenstehen (z. B. Mindestlohn, Vermögensteuer, …). Nur wenige werden es riskieren, Aufträge zu verlieren oder sogar eine Entlassung in Kauf zu nehmen, da damit das regelmäßige geplante Einkommen gefährdet wird und evtl. auch die eigene Lebensgrundlage.

Unter Kostendruck gewinnen Unternehmen, die die Werbungen in den Zeitungen und Sendern schalten ebenfalls einen noch größeren Einfluss, wie Harald Schumann in einem anderen Artikel dieses Blogs bescheinigt, in dem es um die innere Pressefreiheit in den Redaktionen geht.

Die Medien können sich auch immer weniger eigene Korrespondenten leisten und sind daher vermehrt auf eine der wenigen international tätigen Presseagenturen angewiesen (s. u.).

[Anm.: Auch ich habe natürlich in meiner Freizeit nicht unendlich viel Zeit für Recherche, sodass sich auch in meinen Artikeln hier und da Fehler einschleichen können. Für entsprechende Hinweise bin ich dankbar!]

 

4 Unterwanderung/Einflussnahme

Es wurde immer wieder vermutet, dass die CIA die Medien unterwandert hätte. Alle Leute, die solche Vermutungen anstellten, waren bis Mitte 2007 selbstverständlich Verschwörungstheoretiker. Seit der Veröffentlichung ehemals geheimer Unterlagen (sog. „family jewels„) der CIA ist dies jedoch inzwischen Gewissheit. Mit der „Operation Mockingbird“ wurde versucht, die Medien der OECD-Staaten seitens der CIA zu beeinflussen. Zahlreiche Alpha-Journalisten der US-amerikanischen Presse (NY-Times, CBS, Newsweek…) standen auf der Gehaltsliste der CIA und wurden mit Informationen versorgt.

Udo Ulfkotte (umstrittener, inzwischen verstorbener ehem. FAZ-Journalist und Buchautor, dessen Buch „Gekaufte Journalisten“ Bestseller war und von vielen Seiten gelobt wird) sagt Ähnliches für deutsche Medien aus. Auch er habe u. A. vom BND zur Verfügung gestellte Artikel unter eigenem Namen veröffentlicht.

Weitgehend unbekannt ist, dass laut AP-Recherchen (associated press) 27.000 PR-Berater mit einem Jahresetat von 4,7 Milliarden Dollar die Öffentlichkeitsarbeit für das Pentagon bewerkstelligen. Der frühere AP-Chef Tom Curley beklagte in einer Preisverleihungsrede den Ausbau des Pentagon zu einer „weltweit agierenden Propagandamaschine“ und den Druck des Militärs auf unabhängige Berichterstatter.

 

5 Besitzverhältnisse

In den letzten Jahrzehnten hat in Deutschland, aber auch z. B. in Frankreich und den USA eine Konzentration von Medienhäusern stattgefunden. Nach einer Studie der bayerischen Landeszentrale für neue Medien beherrschen die 15 größten Medienkonzerne 76,2% des überregionalen Meinungsmarktes (Stand 1. Halbjahr 2016), wobei ARD und ZDF auf einen Anteil von 29,6% kommen und die privaten Konzerne Springer, Bertelsmann und ProSiebenSat.1 auf einen Anteil von 27,6%.

An der Spitze des Springer- und Bertelsmann-Konzerns sitzen wiederum Milliardärinnen (Friede Springer und Liz Mohn), von denen man sich vorstellen kann, dass sie z. B. wenig erpicht auf die Reaktivierung der Vermögensteuer oder eine Erhöhung der Erbschaftsteuer sind. Lt. Ulrike Herrmann (Vortrag zu ihrem Buch „Der Selbstbetrug der Mittelschichten“) diskutiert die SPD schon länger darüber, die Vermögensteuer wieder einzusetzen, hat jedoch Sorge vor einer BILD-Kampagne.

Auch an verschiedenen anderen Kampagnen lässt sich erkennen, dass die Medien nicht immer einen sachlichen Standpunkt einnehmen.

Außerdem erreichte es die Verlegerlobby, Zeitungszusteller zunächst von der Mindestlohnregelung auszunehmen, weil sonst die Pressefreiheit in Gefahr wäre. Vor der Mindestlohneinführung hatten die Medien bereits Katastrophenszenarien an die Wand gemalt. Zwar wurden diese Szenarien auch durch bei diesem Thema leicht fehlgeleitete „Star-Ökonomen“, die z. B. den Verlust von 1 Million Arbeitsplätze vorausgesagt hatten, befeuert; andererseits kamen gegenteilige Aussagen anderer Ökonomen in den Medien selten zu Wort.

 

6 Vernetzung

Zur Vernetzung gehört z. B., dass die oben erwähnten Milliardärinnen an der Spitze von Bertelsmann und Springer offenbar gute Freundinnen der Kanzlerin Frau Merkel sind. Darüber hinaus ist Merkels Mann (zum Stand der Veröffentlichung) Joachim Sauer im Kuratorium der Bertelsmann Stiftung tätig.

Eine Vernetzung vor allem in Wirtschaft und Politik findet auch statt, wenn durch den sogenannten „Drehtüreffekt“ hohe Positionen „durchgetauscht“ werden. Die weitere Vernetzung mit den Medien erfolgt dagegen eher in Denkfabriken („Think Tanks„) und bestimmten Konferenzen, in denen die Mächtigen der Wirtschaft, der Politik und der Medien zusammenkommen.

Die berühmtesten Beispiele hierfür sind sicherlich die „Atlantikbrücke“ und die „Bilderberg-Konferenz“. Es gibt aber zahllose anderer solcher NGOs (Non-Government-Organizations, Nicht-Regierungs-Organisationen), über die sich ein eigener Artikel lohnt und über die es auch einige Bücher gibt. Für jeden Teilnehmer ist es eine besondere Ehre, eingeladen zu werden oder Mitglied zu sein. Hier werden Kontakte zu den Mächtigsten der Welt geboten, die einem jedoch auch schnell wieder entzogen werden können, sofern man sich von der Linie der Konferenz oder der Organisation entfernt.

Ein weiteres Beispiel für Vernetzung von Politik und Medien sind die Hintergrundgespräche, die vertraulichen Gespräche des Bundeskanzlers oder Mitarbeitern des Kanzleramts mit einigen auserwählten Journalisten. Letztere geraten hierbei in eine Zwickmühle, denn über das Besprochene darf nicht berichtet werden und bei etwaiger Zuwiderhandlung ist es unwahrscheinlich, noch einmal eingeladen zu werden. So wissen die Eingeladenen evtl. zwar deutlich mehr als ihre Kollegen, dürfen dieses Wissen jedoch nicht verwenden. Das dürfte dazu führen, dass die besprochenen Themen komplett gemieden werden oder wider dem eigenen Wissen publiziert werden, um jedem Verdacht der Preisgabe von Vertraulichkeiten entgegenzuwirken.

Resümee

Analog zu den meisten Parteien (CDU, CSU, SPD, FDP, AFD, Die Grünen), die – und da folge ich absolut der Ansicht des Kabarettisten Volker Pispers – wirtschaftspolitisch (und z. T. außenpolitisch) zu einer Einheitspartei geworden sind, hat sich auch in den Medien ein immer engerer Medien-Mainstream herausgebildet.

Der Trend scheint vor allem in den Leitmedien vom Faktenjournalismus zum Meinungsjournalismus zu tendieren. Ich persönlich erwarte auch in Zeitungsartikeln umfassende Quellenangaben, genauso wie ich es von wissenschaftlichen Arbeiten her kenne. Ich erwarte auch, dass in Artikeln unterschiedliche Sichtweisen beleuchtet werden und nicht 2/3 der leicht zugänglichen Informationen unterschlagen werden. Die Menschen wollen schließlich nicht die Meinung des Artikelautors kennenlernen, sondern sie wollen wissen, wie er seine Sicht begründet.

Eine große Fehlentwicklung ist, dass vieles darauf hinausläuft, dass den Menschen das Denken abgenommen werden soll. Das betrifft sowohl den Sprachgebrauch als auch die Errichtung von Tabuzonen als auch den Versuch, Fake-News zu unterbinden. Ich möchte mir mein Bild selbst machen und mit dieser Forderung stehe ich nicht allein.

Ich empfehle jedem, einmal selbst aktiv im Internet zu bestimmten politischen Themen zu recherchieren und sich ggf. auch Vorträge zu diesen Themen bei Youtube anzusehen.

Vielleicht wagt jemand das Experiment der jungen Frau (s. o.) und informiert sich einige Zeit (z. B. 4 Wochen) ausschließlich über Alternativmedien. Als Einstieg dazu kann ich z. B. die Online-Zeitung „Telepolis“ aus dem Heise-Verlag (wobei die sich selbst möglicherweise nicht als Alternativmedium bezeichnen würden) oder die Nachdenkseiten empfehlen.

Gerade die „Hinweise des Tages“ der Nachdenkseiten sind sehr empfehlenswert. Sie sind eine Presseschau, in der besonders gute oder besonders schlechte Artikel aus verschiedensten Quellen aufgeführt werden. Darüber hinaus gibt es z. T. Kommentare von Lesern oder der Redaktion zu diesen Artikeln.

Dabei sollte man sich generell in den Alternativmedien nicht davon abschrecken lassen, dass nicht alles so auf Hochglanz poliert ist (z. B. Layout), wie in den Leitmedien. Zu den Alternativmedien gehören für mich viele privat gestaltete oder crowd-finanzierte Seiten. Hochglanz kann auch blenden.

Ich teile die Ansicht von Ulrich Teusch, dass der Medien-Mainstream so, wie er sich jetzt darstellt, nicht überleben wird. Die Menschen wachen langsam auf und ich hoffe, dass auch ich einen Beitrag dazu leisten kann. Je länger und intensiver man sich mit Alternativmedien beschäftigt, desto offensichtlicher ist die Einseitigkeit und Lückenhaftigkeit in den Leitmedien. Dann bedarf es auch keiner ausführlichen Begründungen und Beispiele mehr, so wie ich sie in diesem Artikel aufgeführt habe.

Leider gibt es Tendenzen, auf Grund der Unzufriedenheit mit den öffentlich-rechtlichen Medien, die GEZ-Gebühr zu umgehen. So fraglich dieses Konstrukt der Gebühreneinzugszentrale auch sein mag, halte ich absolut gar nichts davon, die öffentlich-rechtlichen Medien zu schwächen. Wir müssen im Gegenteil auf mehr Pluralität der Öffentlich-Rechtlichen hinwirken. Einen großartigen Beitrag dazu leisten Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer, indem sie einseitige Darstellungen regelmäßig mit Programmbeschwerden, die auch von dem Blog „ständige Publikumskonferernz“ aufgegriffen werden, monieren.

Gute Interviews mit den beiden gibt es z. B. bei Telepolis („Bleiben Sie ARD-aktuell gewogen„) oder bei KenFM (KenFM im Gespräch mit: Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer).

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2 Kommentare

  1. War eigentlich am Recherchieren für meine Maturaarbeit, habe dann nicht widerstehen können den gesamten Artikel zu lesen. Sehr interessant und gut strukturiert. Danke vielmals!

  2. Schwierig, das Eingehen auf Hassrede einfach als politisches Unterdrückungsinstrument gegen „alternative Meinungen“ abzutun. Man sollte bestehende Ressentiments und Gewalt gegen Minderheiten und u.a. Frauen nicht außer Acht lassen. Dafür gibt es keine Rechtfertigung und sie werden zwar instrumentalisiert, müssen aber dennoch bekämpft werden.

    Jeder, der homosexuell ist oder homosexuelle Menschen besser kennt, weiß, daß Mobbing und andere Formen u.a. psychischer Gewalt, gerade im Internet, real sind und gegen sie an jeder Ecke lauern. Oft ist dieses Mobbing oder Ressentiments schüren dann auch noch als „persönliche Meinungsäußerung“ getarnt oder wird auf ähnliche Weise vehement verteidigt, weil die Einsicht fehlt, daß jeder Mensch ein Recht auf die Menschenwürde und Akzeptanz hat.

    Darum stellt sich m.E. eher die Frage, wie damit umgegangen werden soll, daß die notwendigen Maßnahmen nun zur Einschränkung der Meinungsfreiheit/Andersdenkender missbraucht werden.

    Aber Hassrede ist real und sollte nun wirklich nicht bagatellisiert werden. Ich möchte niemandem Netzwerke zumuten, in denen Leute und Gruppen ohne Konsequenzen beschimpft, verfolgt oder sogar bedroht werden und zu Taten gegen sie aufgefordert wird. Genau das ist bei Twitter, Facebook u.a. aber nun einmal weiterhin vorfindbar.

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